Nutzung der KI-Texttechnologie – ChatGPT im Test

Es ist unvermeidlich, dass ein enormer Hype entsteht, wenn eine unglaubliche „disruptive“ Technologie aus der Tech-Entwicklerszene in die Mainstream-Presseberichterstattung eindringt. Doch selbst diejenigen, die die Tech-Szene intensiv in der Vergangenheit verfolgt haben, waren möglicherweise überrascht vom Ausmaß des Hypes, die die jüngste Veröffentlichung des KI-Textgenerators ChatGPT auslöste.    

Wir möchten die Frage zu beantworten, was diese innovative Technologie für Ihr Unternehmen bedeutet, welche Fallstricke sie birgt und wie Sie das Tool sicher nutzen können.    

Was ist ChatGPT?   

Vereinfacht ausgedrückt ist ChatGPT ein textverarbeitungsprogramm, das dafür bestimmt ist Texte zu generieren, die so formuliert sind, als wären sie von einem Menschen geschrieben worden. Das Programm verwendet ein neuronales Netzwerk – einen maschinellen Lernprozess und miteinander verbundenen Neuronen – die das menschliche Gehirn nachahmen. Indem es das neuronale Netz mit Informationen – in diesem Fall mit Schrift – „füttert“, lernt das Programm, wie Menschen schreiben und kann diese Fähigkeit nachahmen. Auf ähnliche Weise zielen andere KI-Tools darauf ab die Erstellung von Grafiken, Übersetzungen, Transkriptionen und vieles mehr zu generieren.   

Anstatt einen Menschen dafür zu bezahlen, dass dieser stundenlang einen Blogbeitrag schreibt, einen Bericht verfasst oder eine Website programmiert, kann ChatGPT dies in Sekunden erledigen – so die Theorie.   

Die ersten Nachrichten versprachen, dass ChatGPT die Art und Weise wie wir arbeiten revolutionieren würde. Plötzlich überlegten Unternehmen, ob sie ihr Marketingbudget streichen und ChatGPT Softwaretexte für ihre Website schreiben lassen sollten. Auch Journalisten und Programmierer sorgten sich, ob ChatGPT sie in Zukunft ersetzen werden würde.    

Was sind die Nachteile von ChatGPT?   

In den ersten Wochen nach dem Start von ChatGPT und mit dessen zunehmender Nutzung wurden die Grenzen des Dienstes immer deutlicher.    

Es handelt sich um ein Textverarbeitungsmodell, nicht um ein analytisches oder faktenbasiertes Modell.  Grundsätzlich funktionieren große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) durch die Vorhersage des nächsten Wortes in einer Reihe von Wörtern. Das Programm wird anhand großer Datenmengen trainiert. ChatGPT wurde auch mit menschlichem Feedback trainiert, so dass die KI lernte, welche Antwort Menschen auf eine Frage erwarten.   

KI verfügt über eine riesige Wissens- und Informationsdatenbank, ist aber nicht darauf trainiert, diese auszuwerten. Sie denkt nicht selbstständig nach und überprüft sich selbst nicht. Ihr fehlt die Fähigkeit, sich kritisch selbst zu reflektieren. Als die Technologie-Nachrichten-Website CNET beschloss, die Software Nachrichtenartikel schreiben zu lassen, fanden sie heraus wie fehlerhaft ChatGPT sein kann.    

ChatGPT scheitert nicht nur bei der Überprüfung der Fakten, sondern erstellt auch aktiv falsche Zitate, schreibt Zitate Personen zu, die nicht existieren und gibt gefälschte Forschungsarbeiten als Quellen an. 

Diese Fehler bedeuten jedoch nicht, dass die Software nutzlos ist oder dass man sie meiden sollte, sondern es unterstreicht die Notwendigkeit, ChatGPT mit Vorsicht zu verwenden und die Ergebnisse auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.   

Bedenken hinsichtlich Ethik, Transparenz und Governance    

In einer früheren Version der textbasierten KI, zog Microsoft eilig einen Chatbot zurück, nachdem er mit rechtsextremer Propaganda „infiziert“ worden war. Vorfälle wie dieser verdeutlichen, wie wichtig es ist, Leitplanken zu definieren.  

ChatGPT verfügt über Filter, die das Tool daran hindern sollen, über bestimmte Themen zu schreiben. Dennoch kommt es zu Situationen, bei denen Texte beispielsweise Vorurteile und Stereotypen enthalten, ohne dass das Tool diese erkennt.   

Das führt uns zu den Fragen, welche Daten verwendet werden sollen, welcher Prozess darüber entscheidet wie diese Daten ausgewählt werden und wer darüber entscheidet was „akzeptabel“ ist.  Können wir auf gesellschaftlicher Ebene darauf vertrauen, dass einzelne Unternehmen oder Staaten diese Entscheidungen treffen, und wenn nicht, wem können wir dann diese Entscheidungen anvertrauen? In dem Fall, dass diese Fragen juristisch reguliert werden, ergibt sich das Problem, dass die Regierungen KI-Strategien auf der Grundlage von Ideologien entwickeln und verbreiten könnten. Wie kann sichergestellt werden, dass das nicht passiert?     

Die übergeordnete Frage ist demnach, welche Sicherheitsvorkehrungen Sie auf organisatorischer Ebene treffen können und ob es eine „Notbremse“ gibt, falls etwas außer Kontrolle gerät. 

Das Potenzial von ChatGPT    

Das Tool birgt ein enormes Potenzial, das es auszuschöpfen gilt. Wir sind wahrscheinlich noch ein Stück davon entfernt dem Programm aufzuerlegen, völlig eigenständig Vorschläge für ein neues Projekt zu entwickeln oder selbstständig Blogbeiträge zu verfassen, aber wir können aktuell die Stärken nutzen und gleichzeitig die Risiken minimieren.   

Wissensaggregation und -verbreitung   

Eines der erstaunlichsten Dinge an ChatGPT ist die immense Menge an Wissen, über die das Tool verfügt. Es ist für einen Menschen unmöglich so viele Informationen zu sammeln oder zu verinnerlichen, selbst wenn es sich um ein spezielles Thema handelt. Um dem Umfang an Informationen zu illustrieren, soll an dieser Stelle ein Beispiel dienen; im Januar 2023 verfügte Wikipedia über 4 Milliarden Wörter. Wenn jeder einzelne Artikel mit einer durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit von 200 Wörtern pro Minute und 8 Stunden pro Tag gelesen werden würde, bräuchte man rund 171 Jahre, um die gesamte Wikipedia Bibliothek zu lesen. ChatGPT wurde dagegen mit Datenbanken aus dem Internet trainiert, die 300 Milliarden Wörter enthalten.    

Und im Gegensatz zu einer einfachen Google-Suche, präsentiert ChatGPT die Antwort auf eine Frage in einem leicht verständlichen Format. Wir sehen ein enormes Potenzial für Unternehmen, ihren Mitarbeitern einen schnellen und einfachen Zugang zu Informationen zu ermöglichen, beispielsweise über eine KI-Chatbox, die auf der Schulungs- und Entwicklungsdatenbank des Unternehmens basiert.   

Recherche und Brainstorming   

Nutzen Sie die Leistungsfähigkeit dieser Datenbank, um ein Thema zu erforschen. Mit detaillierten Eingabeaufforderungen können Sie ChatGPT verwenden, um nach allen erdenklichen Themen zu recherchieren – von Ideen zur Kostensenkung in einer Lieferkette, bis hin zur Umsetzung von DEI-Schulungen in Ihrem Unternehmen. Möglicherweise hilft Ihnen das Programm Ideen zu entwickeln und gibt neue Denkanstöße, die Sie eigenständig nicht erreicht hätten. Somit hilft ChatGPT nicht nur der Innovativität Ihres Unternehmens, sondern fördert auch Ihrer persönlichen Entwicklung. 

Effizienz 

Wenn Sie über den Einsatz von ChatGPT nachdenken, denken Sie an sich wiederholende und zeitaufwändige Aufgaben in Ihrem Unternehmen. Indem Sie Ihre Mitarbeiter von diesen lästigen Aufgaben befreien, können Sie deren Arbeitszufriedenheit erhöhen und sie in die Lage versetzen, sich strategischeren oder kreativeren Aufgaben zu widmen, um somit deren persönliches Potenzial sinnvoll auszuschöpfen.    

Es gibt eine Vielzahl von Anwendungsfällen für ChatGPT. Welche Anwendungen für Ihr Unternehmen hilfreich sind, hängt von Ihrer Organisation, Ihren Prozessen und Ihren Mitarbeitern ab.    

Ein B2C-Unternehmen nutzt ChatGPT, um Kundenservice-Bots einzusetzen, die den Kunden das Gefühl geben mit einem Menschen zu interagieren. DieKundenzufriedenheit erhöht sich dadurch. 

Ein Unternehmen integriert ChatGPT in sein Wissensmanagementsystem, damit die Mitarbeiter einfach und schnell auf Unternehmensinformationen zugreifen können. Dieser Schritt verringert die Arbeitsbelastung der Personalabteilung.    

Ein Unternehmensberater, der sich auf Veränderungsmanagement spezialisiert hat, nutzt den Dienst, um Mitarbeitern seines Kunden virtuelle Unterstützung zu bieten, häufig gestellte Fragen zu beantworten und Links zu relevanten Ressourcen bereitzustellen.   

Das Potenzial ist beachtlich, da Unternehmen diese neue Technologie nutzen können, um Routineaufgaben zu rationalisieren und zu vereinfachen. Dadurch werden Arbeitnehmer entlastet und können sich auf komplexe, kreative oder strategische Aufgaben konzentrieren. Arbeit wird effizienter.    

Was kommt als Nächstes?   

Im Februar 2023 hat Microsoft Bing, seine „ewig verspottete“ Suchmaschine, mit der Leistung von ChatGPT neu gestartet. Gerüchten zufolge wird Bing die neueste Version von ChatGPT verwenden und die Fähigkeiten einer Suchmaschine mit einem ChatGPT-Chatbot kombinieren. In einem Interview mit dem Decoder-Podcast sprach Microsoft-CEO Satya Nadella über das Potenzial einer KI-gesteuerten Suchmaschine.   

„Ich denke, wir haben neue Tools genutzt und weiterentwickelt (…) Ich denke, (…) ein Teil der mühsamen Wissensarbeit könnte wegfallen, aber das bedeutet nicht, dass ich die Entwicklung nicht genießen würde.“   

In den kommenden Jahren werden diese Tools weiterentwickelt. Vorausschauende Unternehmen werden ihre Nutzung fördern und nach Möglichkeiten suchen, sie in ihre Prozesse zu integrieren. Wir raten Unternehmen Tools dieser Art zu bewerten, einen Rahmen für die sichere Nutzung zu schaffen und sie regelmäßig zu überprüfen, um sicherzustellen, dass die Tools mit den technologischen Fortschritten Schritt halten.   

2 Tipps zur Verwendung von ChatGPT    

  • Setzen Sie einen Rahmen und eine Governance für den Umgang mit KI  
  • Schulen Sie Ihre Mitarbeiter im Umgang mit KI-Tools 
    • Damit sie die richtigen Fragen stellen und Eingabeaufforderungen erstellen können, um gute Antworten zu erhalten 
    • Damit sie kritisches Denken einsetzen und Ergebnisse als Start- und nicht als Endpunkt nehmen 
    • Damit sie KI als wertvolle Ergänzung in ihrem Arbeitsalltag ansehen und nicht als Bedrohung für ihre Arbeitsplatzsicherheit ansehen 
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